Novoflex Castel Cop Digi – Diakopien

Viele kennen das: Die Negativ- und Dia-Archive aus analogen Zeiten „schmoren“ im Keller und werden keines Blickes mehr gewürdigt. Um dem digitalen Zeitalter auch hier gerecht zu werden, liegt es nahe, diese Archive mithilfe von digitalen Dia- und Negativkopien zu reproduzieren.

Grundsätzlich gibt es dazu zwei Möglichkeiten: Scannen oder Abfotografieren. In beiden Richtungen gibt es qualitativ gute und schlechte, teure oder günstige Lösungen. Scanner kamen für mich nicht in Frage, da der Scan-Vorgang doch erhebliche Zeit in Anspruch nimmt. Bei einem großen Archiv kann das schon recht nervig werden, da ohnehin in fast allen Fällen noch eine Nachbearbeitung der Scans nötig ist. In meinem Archiv schlummern zwar keine „hochwertvollen“ Schätze, aber Bilder, die einen Erinnerungswert haben. Bilder, die man zu weiteren Verwendung gerne in seinem digitalen Archiv
hätte. Also schien für mich das Abfotografieren als die ideale Reproduktionslösung.

Über Diakopiervorsätze kann man vieles lesen. Die meisten bringen eigene optische Systeme mit und sind qualitativ nicht besonders gut. Ein hochwertiges Makro-Objektiv steht ohnehin zur Verfügung.
Experimente mit dem Abfotografieren vom Leuchtpult brachten für mich keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Die Handhabung war recht umständlich und das Licht des Leuchtpultes zu schwach.

Seit einiger Zeit habe ich den Novoflex Castel Cop Digi im Kopf. Man findet im Web recht wenig Erfahrungsberichte über dieses Gerät. Es sieht einfach, dafür aber effektiv aus. Ich wagte das Experiment und kaufte den Vorsatz. Für zwei Haltestangen, eine Negativ-/Dia-Halterung und einige Schrauben verlangt Novoflex etwas über 90 Euro – ein teurer Spass. Für den Betrieb des Castel Cop ist auf jeden Fall noch ein Novoflex Einstellschlitten nötig (Castel L, Castel Q, Castel Mini, Novoflex Balgengeräte mit Stangenführung). Der Schlitten nimmt die Haltestangen des Kopiervorsatzes auf.

Mir erschien der Castel Cop ideal, da es viele unterschiedliche Vorlagen in meinem analgogen Archiv gibt: Dias, Farb-und SW-Negative, KB, 6×6, 6×4,5, gerahmt oder ungerahmt als Filmstreifen. Nun offenbarte sich auch die erste Schwachstelle des Castel Cop. Die Filmhalterung ist unzureichend. Während gerahmte Dias durch die Halteklammer ausreichend fixiert werden und die Planlage durch den Diarahmen gewährleistet ist, ist diese bei ungerahmten Dias/Negativen jedoch nutzlos. Die Klammer lässt sich zwar mit dem Schraubendreher lösen und schwenken, ragt aber oft in das Bild und erscheint in der Reproduktion. Ich habe mir mit einer zusätzlichen Kunststoffklemme aus dem Baumarkt geholfen. Diese nötige Improvisation ist bei diesem Gerätepreis eine Unmöglichkeit.

Jedoch lassen sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in rascher Arbeitsweise recht gute Dia-/Negativ-Kopien anfertigen, deren Qualität vom verwendeten Makro-Objektiv abhängig ist. Gute Ergebnisse habe ich erhalten, indem ich mit einem Blitz von hinten durch die Diffusorscheibe belichtete. Die TTL-Automatik zwischen Blitz und Kamera arbeitete einwandfrei und brachte auf Anhieb richtig belichtete Aufnahmen. Zur Fokussierung reicht vorhandenes helles Raumlicht völlig aus. Wird die Kombination auf dem Stativ verwendet, empfiehlt es sich die Kamera auf dem Einstellschlitten leicht nach unten zu kippen. In diesem Fall braucht man die Dias lediglich auf den Halter zu legen, eine Klammer wird dann nicht benötigt. U.U. funktionierte diese Methode auch bei Negativen (Negativstreifen). Ein Makro-Objektiv mit 100mm Brennweite ist am Vollformat gut verwendbar. Bei einer Crop-Kamera sollte die Brennweite entsprechend kürzer sein. KB-Repros lassen sich dann in mittleren Stellungen herstellen. Bei Repros von 6×6-Vorlagen wird der Auszug des Einstellschlittens und der Führungsstangen des Castel Cop die äußere Position erreichen.

Im Anschluss ist auf jeden Fall eine Nachbearbeitung nötig. Dias müssen in Farbe und Kontrast korrigiert werden. Bei Negativen muss nach der Invertierung noch die Orange-Maske des Film entfernt und eine erhebliche Kontrast-Korrektur durchgeführt werden. Bei einer Bearbeitung in Lightroom kann man für eine grobe Vor-Bearbeitung entsprechende Presets anfertigen. Eine feinere Nachbearbeitung ist für die meisten Bilder zusätzlich zu empfehlen. Eine recht aufwändige Angelegenheit, die aber auch nötig wäre, würde man einen Scanner einsetzen.

Fazit:

Der Castel Cop Digi von Novoflex hat Schwächen bei der Verwendung von ungerahmten Filmvorlagen. Bei dieser „Material-Preis-Relation“ ist das inakzeptabel. Wenn man für den Einsatz des Castel Cop noch einen Einstellschlitten benötigt, kann man für diesen (Castel Q) noch einmal 170€ einplanen. In meinem Fall waren ein sehr gutes Makro-Objektiv und der Castel Q, der einen qualitativ sehr hochwertigen Einstellschlitten darstellt, ohnehin vorhanden. Trotz der Schwächen habe ich mit dem Castel Cop rationell und schnell – nach einiger Übung – recht gute Kopien von Dias und Negativen anfertigen können. Ob die Preis-Leistungs-Relation gegeben ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.

 Beispiele:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.