Projekt 365

Wie schon in den „Gedanken“ zu meinem Blog zu lesen war, beschäftigt mich das Zitat von Gary Winogrand:

Ich fotografiere, um herauszufinden, wie etwas aussieht, wenn es fotografiert wurde.

Eine recht banale Aussage, denkt man jedoch darüber nach, erkennt man die Tiefe. In fast allen Fällen unterscheidet sich das spätere, fertige Bild vom Inhalt des Kamerasuchers während der Aufnahme. Das endgültige Bild wird immer durch die subjektive Sichtweise des Fotografen geprägt. Dadurch erklärt sich auch die Spannung des Fotografen bis er den entwickelten Film oder das digitale Bild am Monitor betrachten kann.

Das Zitat von Gary Winogrand begleitet mich seit vielen Jahren auf meinem fotografischen Weg. Es lässt sich auf alle Bereichen und Themen meiner Fotografie anwenden und war letztendlich auch Bestandteil meines Projektes 365 / 2014. Jeden Tag ein Foto, 365 Tage lang. Es begann am 01.01.2014 und endete am 31.12.2014. Solche 365-Tage-Projekte wurden schon von vielen Fotografen umgesetzt. Insofern habe ich natürlich nicht das Rad neu erfunden. Macht es daher Sinn, ein weiteres Projekt zu starten?  Unbedingt, denn die subjektive Sichtweise eines jeden Fotografen lässt bei jedem Projekt etwas völlig neues entstehen.

Das Aufnahmedatum spielte für mich keine Rolle, wohl aber die Tagesnummerierung des Bildes . Sie spiegelt des Fortlauf des Projektes. Der Titel ist unabdingbar, er reflektiert meine Gedanken zum Bild während der Aufnahme.

Sowohl die Wahl der Motive, als auch die Wahl der Bildstile generieren eine Dokumentation des momentanen Zeitgeistes. Bei einem Großteil der Bilder fanden verschiedene aktuelle Cross-Colour-, Retro- und Grunge-Designs Verwendung. Thematisch standen urbane Motive und Motive in der unmittelbaren Lebensumgebung im Vordergrund. Somit bietet das Portfolio einen großen Spielraum für die Fantasie des interessierten Betrachters.

 

Ich mag mein Telefon …  Die Kamera-App ist zu meinem ständigen Begleiter geworden. Ich experimentiere mit verschiedenen Einstellungen. Die Farbsättigung wird erhöht oder zurückgesetzt. Ich probiere verschiedene Retro-Styles.

Gelegentlich fotografiere ich jetzt auch mit einer Kompaktkamera bzw. mit einer DSLR . Den weißen Polaroid-Rand behalte ich jedoch bei.

 

 

Auf meinen bisherigen Bildern sind nur wenige Menschen zu sehen.  Gehören Menschen nicht zum Alltag ?  Selbstverständlich !  Viele Bilder lassen menschliche Assoziationen zu, obwohl niemand zu sehen ist. (siehe z.B. Bild 68 oder Bild 84)  Dies hat einen recht simplen, durchaus aber praktischen Grund.  Stichtworte: Persönlichkeitsrecht, Recht am Bild. Würde ich Menschen erkennbar ablichten, wäre schon diese Web-Präsentation ohne schriftliche Zustimmung des Betroffenen ohne Weiteres nicht möglich bzw. würde sich in einer rechtlichen Grauzone bewegen. Street-Fotografie bewegt sich in vielen Fällen ohnehin sehr oft an der Grenze. Mit der rechtlichen Seite will ich mich nicht befassen, sondern mich ausschließlich auf den fotografischen Aspekt konzentrieren.

 

 

 

 

Projekt 365  … Fazit:

Die permanente Beschäftigung mit „dem“ Tagesfoto fördert die Sichtweise auf verschiedene Dinge, fördert die Fähigkeit zur kreativen Umsetzung verschiedener Themen auf das Medium „Bild“. Ein solches Langzeitprojekt ist eine gute Übung zur Analyse von Motiven.

Rein technische Aspekte – insbesondere Kamera- oder Aufnahmetechniken – treten in den Hintergrund. Man benutzt das Werkzeug, das sich in einer bestimmten Situation am besten eignet. Im digitalen Zeitalter kann man durchaus auch mit einfachen Kompaktkameras oder Smartphones  aussagekräfige Bildideen realisieren.

Ein eigener Stil entwickelt sich dabei von ganz allein. Es würde auch keinen Sinn machen, nach einem Vorbild zu arbeiten. Einem Vorbild nachzueifern würde bedeuten, das eigene Ziel aus den Augen zu verlieren.

Im Bewusstsein, dass ein spannendes und kreatives Projektjahr hinter mir liegt, möchte ich mit den Worten von Laotse schließen:

Wer sein Ziel kennt, findet seinen Weg

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